OKI Kieler kulturhistorische Zinnfiguren Kilia

Historie

Chronologie der Kieler Zinnfigurenfabriken

1924

gründet eine Gruppe heute namentlich nicht mehr bekannter Zinnfigurensammler  die "Fabrik für historische Zinnfiguren und Kulturbilder G.m.b.H.". Aus ihrem Kreis wird als Geschäftsführer der schon vor dem Weltkrieg bekannte Sammler und Reserveoffizier Max Hahnemann eingesetzt. Sitz und Produktionsstätte der neugegründeten Firma ist Kiel, Jungmannstraße 24.
Von diesem Zeitpunkt an produziert die Kieler Offizin Zinnfiguren nach einem hohen historischen und kunsthandwerklichen Standard in zwei Qualitätsstufen:
    Marke HIZ - "Feinmetall und genaue historische Bemalung"
    Marke BIZ - "Einfache Legierung und Bemalung."
Die Figuren wurden fast ausschließlich bemalt und in Serien und Schlachtenpackungen an die Käufer und Interessenten, aus denen sich in diesen Jahren in Deutschland und anderen europäischen Staaten eine organisierte Sammlerschaft herausbildete, abgegeben.

1926/27

erscheint die erste Hauptliste mit dem Verzeichnis der bis zu diesem Zeitpunkt herausgegebenen Figuren.

1927

tritt der 1906 in Kiel geborene Kaufmann Aloys Ochel in die schnell aufstrebende, aber von den ursprünglichen Gesellschaftern bereits wieder aufgegebene Firma als Geschäftsführer ein.

1928

Umzug in den Industrieblock "Eichhof" in Kiel. Unter der Leitung von Hahnemann und Ochel versucht die Fabrik ihr Programm und Angebot durch die Erschließung neuer Themen ständig zu erweitern und zu aktualisieren. In diesem Jahr wird mit der Herausgabe der Schiffsmodellserie begonnen.

1929

wird im "Europa-Haus" in Berlin, Königgrätzer Straße, eine große Kieler Zinnfigurenausstellung eröffnet. In 22 großen Dioramen, ausschließlich mit Kieler Zinnfiguren gestaltet, werden die Epochen der Weltgeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart dargestellt.

1931

Umzug der Firma nach Fleethörn 29 in Kiel. In der Folgezeit erscheinen die Kieler Zinnfiguren unter der Bezeichnung "Kieler Zinnfigurenfabrilk G.m.b.H.".

1932/33

Wie die meisten Unternehmen in dieser Zeit der Weltwirtschaftskrise gerät auch die Kieler Zinnfigurenfabrik in große wirtschaftliche Schwierigkeiten. Um zumindest den Formenbestand zu einem späteren Zeitpunkt zu retten, aber auch seine eigene Existenz zu sichern, verlässt Aloys Ochel die Firma und strebt die Gründung eines eigenen Unternehmens an.

1933

erfolgt die Gründung der neuen Kieler Zinnfigurenfabrik  unter dem Namen "Kieler Zinnsoldaten A. Ochel". Aloys Ochel setzt die guten Traditionen der "Altkieler Firma" fort. So erscheinen auch bei ihm die Zinnfiguren in der Fabrikbemalung in zwei Kategorien:
    KILIA - Hochwertige Figuren in sorgfältiger Bemalung.
    OKI    - Einfache Bemalung.
Gleichzeitig kündigt er jedoch an, dass auch Blankfiguren bezogen werden können.

1933

im Herbst lässt Max Hahnemann in der Klio-Zeitschrift "Die Zinnfigur" veröffentlichen, dass er aus der bisher von ihm geleiteten Firma ausscheidet und in das neue Unternehmen unter Aloys Ochel eintritt.

1935

werden noch bis zu diesem Zeitpunkt Neuerscheinungen der "Kieler Zinnfigurenfabrik" angeboten. Im ersten Jahr des Nebeneinanderbestehens beider Firmen waren es sogar wesentlich mehr Neuerscheinungen als die der von A. Ochel neugegründeten Firma. Gegen Ende des Jahres 1935 wurde jedoch die gesamte Produktion offiziell eingestellt.

1936

kündigt Ochel in den Fachzeitschriften an, dass er die Formen der alten Kieler Firma übernimmt und die Figuren regulär über ihn bezogen werden können.

Nach 1940

werden, vor allem aus Gründen des Materialmangels infolge Krieg und Rüstungsproduktion, offiziell keine Privatkunden mehr beliefert. Größere Aufträge für die Wehrmacht, die so genannten Sandkastenfiguren, werden mehrfach in der Literatur erwähnt, konnten aber nicht, oder zumindest nicht in dem vermuteten Umfang, bestätigt werden.

1943

nach den ersten angloamerikanischen Luftangriffen auf Kiel wird der Formenbestand und ein Teil des Firmenarchivs in eine ehemalige Schlachterei nach Preetz, Kreis Plön, verlegt.

1944

wird bei einem schweren Luftangriff auf Kiel das Firmengebäude getroffen und brennt völlig aus. Dabei wurde auch der nicht ausgelagerte Teil des Firmenarchivs mit den Originalzeichnungen zu fast allen Epochen vernichtet.

1946

nach dem Ende des 2. Weltkrieges erfolgte relativ schnell trotz weiterbestehender Rohstoffknappheit und zeitweilig bestehender Vorbehalte gegen die Zinnfigur wegen ihrer Anlehnung an militärische Traditionen die Wiederaufnahme der Produktion. Es erfolgte eine Veränderung der Firmenbezeichnung in "Kieler Zinnfiguren A. Ochel" und auch das Figurenangebot wurde stärker auf zivile Themen ausgerichtet. Nach Kriegsende bezog Aloys Ochel die Firmenräume in der Brunswicker Straße 7 in Kiel, später in der Feldstraße 24.

ab 1950

wird das Figurenangebot der Kieler Firma durch die Erschließung neuer Themen, durch eine Vielzahl von Neugravuren und der Übernahme des Formenbestandes anderer Herausgeber, wie Bruno Hinsch, Hamburg, wesentlich erweitert. Als sich Aloys Ochel zu Beginn der siebziger Jahre aus dem Geschäft zurückzieht, liefert seine Firma etwa 10.000 verschiedene Figuren, gegossen aus ca. 4200 Formen in mehr als 1500 Serienpackungen an die Sammler in der ganzen Welt aus. Da nach dem Krieg die Firma Heinrichsen in Nürnberg die Produktion nicht wieder aufgenommen hatte und andere Offizinen wie Rieche in Hannover und Zeumer in Dresden ein Opfer der Bombenangriffe geworden waren, ist die Kieler Firma bis zu ihrer Schließung das bedeutendste Zinnfiguren produzierende Unternehmen in Deutschland.

1953

gehört Aloys Ochel zu den Initiatoren und Begründern der Kulmbacher Zinnfigurenbörse. Die jährlich stattfindende Börse entwickelt sich rasch aus einem regionalen Treffen zum wichtigsten Ereignis der internationalen Sammlerwelt. Dieser Erfolg ist nicht zuletzt dem großen Ansehen zu danken, das die Kieler Zinnfiguren und Aloys Ochel schon vor dem Krieg und in noch stärkerem Maße danach bei den Zinnfigurensammlern in aller Welt besaßen und noch heute besitzen.

1957

stirbt Ludwig Frank in Nürnberg. Sein Tod bedeutet einen schmerzlichen Verlust für die Sammler und Herausgeber, für die der produktivste Meistergraveur, den die Geschichte der Zinnfigur kennt, Tausende neue Typen geschaffen hat. Auch die Kieler Firma trifft der Verlust hart, war doch Ludwig Frank seit der Firmengründung im Jahre 1924 für das Unternehmen tätig. Aloys Ochel hatte jedoch schon zeitig den Mut gehabt, Aufträge auch an noch junge, sich erst in der Entwicklung befindliche Zeichner und Graveure zu vergeben. So können wir heute konstatieren, dass ca. 60 Zeichner und Graveure im Laufe der Zeit einen Beitrag zur Entwicklung der Kieler Zinnfigur leisteten.

1972

nachdem sich die Tochter von Aloys Ochel, Erika, verheiratete Kroschewski, schon längere Zeit um die Firma gekümmert hatte, übernimmt sie in diesem Jahr laut Eintragung im Handelsregister des Amtsgerichtes Kiel die Leitung des Unternehmens. Fast zwei Jahrzehnte ist sie im Sinne von Aloys Ochel für die Firma tätig, sichert trotz mancher Schwierigkeiten den umfangreichen Formenbestand, erweitert ihn sogar vor allem um kunsthandwerkliche Motive und gewährleistet, dass die Sammler in Deutschland und vielen anderen Ländern auch weiterhin Kieler Zinnfiguren beziehen können.

1979

stirbt Aloys Ochel in Kiel.

1991

zieht die Firma nach Kiel, Schülper Baum 23 um.

1993/94

entschließt sich Erika Ochel einen großen Teil der Formsteine über die Offizin Schmittdiel restaurieren zu lassen, da ein großer Teil der Formen im Laufe mehrerer Jahrzehnte stark gelitten hat und deshalb häufig keine Lieferung von einwandfreien Abgüssen mehr möglich ist. Zur gleichen Zeit beginnt der Sammler Fritz Hüther mit der genauen Erfassung der Formen und des Figurenbestandes. Auf dieser Grundlage entsteht der erste umfassende Figurenkatalog der Kieler Zinnfiguren. Während seiner Arbeiten entdeckte Fritz Hüther eine Anzahl bisher nicht erfasster Figuren, die in diesem Zusammenhang erstmalig den Sammlern vorgestellt wurden. Die Arbeiten werden im Oktober 1994 abgeschlossen und danach sind zu diesem Zeitpunkt in der Kieler Firma 4217 Formen vorhanden.

1997

sind die Kieler Zinnfiguren letztmalig auf einer Internationalen Zinnfigurenbörse in Kulmbach vertreten. Noch während der Börse erreicht die Sammler die Mitteilung von Erika Ochel, dass die Firma am Jahresende ihre Tätigkeit einstellen wird. Zum Bedauern der internationalen Sammlerwelt wurde dies Realität. Seit Dezember 1997 existiert nach mehr als sechs Jahrzehnten die Kieler Zinnfigurenfirma nicht mehr.

2009

im Frühjahr wurde eine Internetpräsenz ins Leben gerufen  und die Produktion im kleinen, privaten Rahmen von Erika Ochel wieder aufgenommen; auch konnte man sie wieder auf der Kulmbacher Zinnfigurenbörse finden.


Geringfügig geändert und ergänzt entstammt dieser Text mit freundlicher Genehmigung von Autor und Verlag dem Buch: Kieler Zinnfiguren, Band II von Dr. Egon Krannich.
Edition Krannich 2003. 04668 Grimma, Schlossgasse 4, ISBN 3-933124-15-8

Internetseiten: Werner Lehnberg